sportspaß startet Bürgerbegehren

Liebe Mitglieder,
viele von euch haben im aktuellen Mitgliedermagazin den Kommentar von Jürgen Hering, unserem langjährigen Geschäftsführer, zum Thema “Keine finanziellen Fördermittel der Stadt für sportspaß” gelesen. Immer wieder kam es zu Rückfragen, sodass wir an dieser Stelle sowohl den Kommentar als auch ergänzende Informationen abbilden möchten.

MILLIONEN FÜR HAMBURGS SPORT – ABER KEINE UNTERSTÜTZUNG FÜR DEN GRÖSSTEN VEREIN
sportspaß hat genauso viele SportlerInnen wie alle kleinen und großen im Verein Fußball spielenden Mitglieder der Vereine in Hamburg. Fußball wird durch die Stadt mit Mitteln für den Verband, die Vereine und für Neubauten und Modernisierungen der Anlagen und Plätze mit Millionen jährlich gefördert. Fußball, eigentlich ein Spiel zum eigenen Spaß, aber meistens an den Wochenenden mit Wettkampfcharakter verbunden durch Ligaspiele. Dieser Wettkampfsport wird enorm gefördert, der Freizeitsport bei sportspaß, der allen Menschen zugänglich ist, auch wenn sie nicht auf Wettkampfebene sporteln können oder wollen, soll überhaupt keine Fördermittel erhalten.
sportspaß – der größte Verein mit aktiven Mitgliedern in Europa (darunter 80 % Frauenanteil) – eigentlich könnte sich Hamburg mit diesem Superlativ schmücken! Unser Antrag auf Förderung, den wir im vergangenen Jahr gestellt haben, wurde aber jetzt von der Behörde komplett abgelehnt, wir erhalten keinen Cent! Die im Hamburger Sportbund und im Fußballverband organisierten Vereine bekommen ständig steigende Fördermittel von der Stadt. Nur für den größten gemeinnützigen Sportverein – sportspaß – gibt es keine Förderung. Und das, obwohl eigentlich im Grundgesetz der Gleichheitsgrundsatz verankert ist und in einer Zeit, wo die anderen großen Vereine außerordentlich großzügig unterstützt werden! Der Hamburger Turnerschaft von 1816 (5.000 Mitglieder) spendiert Hamburg dagegen für sein neues Sportcenter an der Burgstraße mal eben 6,6 Millionen! Als sportspaß sein Sportcenter am Berliner Tor gebaut hat, gab uns die Stadt gerade mal 51.000 Euro!
Wir werden uns gegen die ungleiche Förderung wehren und haben Widerspruch gegen den Bescheid eingelegt. Und sicherlich auch noch einmal auf die Parteien zugehen, schließlich sind in Hamburg wahrscheinlich Anfang 2020 Bürgerschaftswahlen. Vielleicht haben ja auch unsere Mitglieder Lust, uns mit einer Initiative zu unterstützen, 10.000 Unterschriften sind nötig, damit sich die Bürgerschaft mit der Förderpraxis auseinandersetzt. Das wäre ein Anfang.

Jürgen Hering, Geschäftsführer von sportspaß 1987-2018

DIE HINTERGRÜNDE
sportspaß hat rechtzeitig bei der Stadt beantragt, in den Sportfördervertrag 2019/2020 und die Verhandlungen dazu mit einbezogen zu werden. In dem Antrag haben wir Subventionen gefordert. Und zwar in einer Höhe, die unserer Mitgliederanzahl und unseren Aufgabenbereichen entsprächen, wenn wir noch im Hamburger Sportbund (HSB) organisiert wären. Die Stadt hat diesen Antrag mit der Begründung abgelehnt, dass es sich bei den aktuell geförderten Vereinen um Dachverbände handelt und es in deren Ermessensspielraum läge zu entscheiden, welche Sportvereine eine Förderung erhielten. Da sportspaß seit 2017 nicht mehr dem Dachverband Hamburger Sport Bund (HSB) angehört, haben wir keine Chance auf städtische Fördermittel.

Am 13.11.2018 wurde auf der Mitgliederversammlung des HSB dem Sportfördervertrag 2019/2020 zugestimmt. Neben dem HSB erhält auch der HFV (Fußballverband) direkte Zuwendungen von der Stadt über den Sportfördervertrag. Der HFV ist in die Verhandlungen mit einbezogen geworden. Und das obwohl der HFV selbst im HSB organisiert ist und und weniger Mitglieder als sportspaß hat.

Deshalb verlangen wir eine Gleichberechtigung, sodass auch wir in die Verhandlungen mit einbezogen werden. Wenn die Stadt durch den Sportfördervertrag Subventionierungen nur an Dachverbände vergibt, dann entsteht für Vereine faktisch der Zwang, sich Sportorganisationen anzuschließen. Dies wiederum verstößt gegen die Vereinigungsfreiheit, die die Zugehörigkeit zu Vereinigungen / Verbänden einer Institution freistellt. sportspaß hat sich – nach langen Verhandlungen – aus dem HSB zurückgezogen, weil seit Jahren unser Mitgliedsbeitrag dort viel höher lag als die erhaltenen Fördermittel. Klar gesagt: Wir wollten aus euren Mitgliedsbeträgen nicht länger andere Vereine subventionieren.

In der “Dekadenstrategie Sport” der Stadt soll als vorrangiges Ziel unter anderem „der niedrigschwellige Zugang zu Sportangeboten in der gesamten Stadt“ gewährleistet werden. Gerade dieses Ziel unterstützt sportspaß wie kein anderer gemeinnütziger Anbieter durch seinen geringen Monatsbeitrag enorm und ist dabei fast flächendeckend, auch in sozialschwachen bzw. mit hohem Migrationshintergrund behafteten Stadtteilen, in Hamburg vertreten. Wir tragen damit insgesamt besonders zur Erreichung der mit der Sportförderung verfolgten Ziele bei und sind somit förderungswürdig.

sportspaß hat nun ein Bürgerbegehren gestartet. Wir sammeln gerade in den Centern Unterschriften, damit sich die Bürgerschaft mit der Weigerung der Stadt, sportspaß finanziell zu unterstützen beschäftigen muss. Dazu benötigen wir 10.000 Unterschriften.